Raum für eigenverantwortliches Denken und Handeln

(ugs. Trainingsraum)

Das Konzept der Adolf-Reichwein-Realschule

Seit November 2013 gibt es an unserer Schule das „Programm des eigenverantwortlichen Denkens und Handelns“, umgangssprachlich „Trainingsraum“ genannt. Das Programm wurde von Edward Ford (USA) erstmals formuliert und existiert in verschiedenen Modifizierungen an vielen deutschen Schulen.

Schüler sollen lernen, dass sie über ihr Verhalten selbst entscheiden und deshalb selbst verantwortlich sind.

Nutzen des Trainingsraum-Programms

  • Reduzierung von Störungen
  • Wertschätzung, klare Regeln, klare Konsequenzen
  • entspannterer, sachlicherer Umgang mit Störungen
  • Verbesserung der Unterrichtsqualität
  • Raum für eigenverantwortliches Denken
  • Förderung von Selbstregulation, Selbstwirksamkeit und Selbstkontrolle

Wie funktioniert das Trainingsraumprogramm?

Mithilfe dieses Programms sollen Schüler und Schülerinnen verstärkt angeleitet werden, Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen und die Rechte anderer zu respektieren. Diese Rechte lauten für den Klassenraum:

Jeder Schüler und jeder Lehrer hat das Recht

  • auf störungsfreien Unterricht
  • auf würdevolle Behandlung
  • auf unversehrte Umgebung und unbeschädigtes Material

Von diesem „Grundgesetz” leiten sich einige Klassenregeln ab, die im Klassenraum ausgehängt werden, z. B. die Verpflichtung pünktlich zum Unterricht zu erscheinen, den Anweisungen des Lehrers zu folgen, andere nicht zu beleidigen, nicht in die Klasse zu rufen.

Der Frageprozess im Klassenraum

Stört eine Schülerin oder ein Schüler den Unterricht massiv, kann der Lehrer / die Lehrerin mit einem den Schülern bekannten Frageritual den Denkprozess einleiten:

1.Störung

  • Was tust du?
  • Gegen welche Regel hast du verstoßen?
  • Willst du dein Verhalten ändern oder in den Trainingsraum gehen?
  • Du weißt, wenn ich dich ein zweites Mal frage, hast du dich entschieden, in den Trainingsraum zu gehen.
  1. Störung
  • Was tust du? Oder: Ich sehe, du … störst wieder.
  • Du hast dich also entschieden, in den Trainingsraum zu gehen.
  • Bitte nimm das Formular und gehe in den Trainingsraum.

Das Trainingsraumgespräch und der Rückkehrplan

Im Trainingsraum führt der Schüler ein Gespräch mit einer dort anwesenden Lehrkraft. Ziel des Gespräches ist es, dass der Schüler sein Verhalten reflektiert. Er benennt den primären oder sekundären „Gewinn” einer Störung und vergleicht ihn mit den (nachteiligen) Folgen für sich, die Mitschüler und die Lehrkraft. Er kommt zu einer Neubewertung der Situation und sieht den Nutzen einer Verhaltensänderung ein. Der Schüler formuliert konkrete Handlungsziele und -wege für sein Verhalten im Unterricht. Er zeigt den Rückkehrplan der Lehrkraft, die von ihm gestört wurde. Der Trainingsraum-Lehrer unterstützt den Dreischritt „Verhalten wahrnehmen, Verhalten reflektieren, Verhalten ändern“ durch eine kooperative und strukturierte Gesprächsführung (aktives Zuhören, Paraphrasieren, offene Fragen, lösungsorientiert).

Maßnahmen zur Einführung, Implementierung und Begleitung

  • schulinterne Fortbildung zum Konzept mit externen, kompetenten Moderatoren
  • Abstimmung in der Lehrer- und Schulkonferenz
  • zusätzliches Training der Trainingsraum-Lehrkräfte zur Gesprächsführung mit denselben Moderatoren
  • Absprachen, Vereinbarungen, Feedback der Trainingsraumlehrkräfte zur Qualitätssicherung
  • weitere Fortbildung, wiederholtes Training zur Gesprächsführung (personenzentrierte, nicht-direktive Gesprächsführung nach Carl Rogers)
  • Durchführung von Evaluationen (Wer kommt in den Trainingsraum?), Ursachenforschung, Maßnahmenplanung)

Zur Organisation im Schulalltag

Die Besetzung des Trainingsraums ist im Stundenplan verankert. Bei großem Vertretungsbedarf kann der Trainingsraum-Lehrer auch zur Vertretung herangezogen werden, der Raum bleibt dann unbesetzt, die Schüler müssen in der nächsten Stunde wiederkommen.

Listen und Formulare

Der Schüler, die sich entschieden hat, in den Trainingsraum zu gehen, nimmt ein Mitteilungsblatt für den Trainingsraumlehrer mit. Die unterrichtende Lehrkraft notiert die Art der ersten und zweiten Störung, „Sonstiges” und die Uhrzeit, wann der Schüler den Unterricht verlässt. Zusätzlich wird der Besuch des Trainingsraums im Klassenbuch vermerkt.

Der individuelle Rückkehrplan wird vom Schüler und vom Trainingsraumlehrer unterschrieben und anschließend zweimal kopiert. Eine Kopie verbleibt bei der Trainingsraumakte, die andere behält der Schüler, um den Plan der Lehrkraft zu zeigen, in deren Unterricht er gestört hat. Erst wenn dieser Lehrer den Plan akzeptiert, kann der Schüler wieder am Fachunterricht teilnehmen, andernfalls muss er erneut in den Trainingsraum. Wenn in einer Stunde mehrere Schüler zum Trainingsraum kommen, so erhalten die später Ankommenden ein zusätzliches Arbeitsblatt zur schriftlichen Reflexion, welches sie still bearbeiten, bis das Gespräch möglich ist.

Für jeden Jahrgang gibt es einen Aktenordner mit aktuellen Klassenlisten. Dort wird hinter dem Namen das Datum des Trainingsraumbesuchs eingetragen, um schnell einen Überblick zu haben, wer zum dritten oder vierten Mal innerhalb von sechs Monaten den Trainingsraum besucht.

Alle Unterlagen (Mitteilung über die Störung, der Rückkehrplan) werden chronologisch hinter der Namensliste abgeheftet.

Information der Schüler

  1. Besprechen und Aushängen der Regeln im Klassenraum
  2. Bekanntmachen des Frageprozesses
  3. Erläuterung des Gesprächs im Trainingsraum

Einfaches Ablaufschema

tr_ablaufschema

Beim dritten Mal im Zeitraum von 6 Monaten: Gespräch mit der Schulleitung, Gespräch mit den Eltern

Beim vierten Mal im Zeitraum von 6 Monaten: Schülerin / Schüler wird umgehend nach Hause geschickt, Ordnungsmaßnahme

Phasen des Gesprächs im Trainingsraum

Phasen Ziele
1. Freundlich begrüßen, Bereitschaft zum Gespräch erfragen Empathie, Kooperationsbereitschaft
2. Fragen zum Verständnis der Störung im Klassenraum:

‒      Wie ist es dazu gekommen…

‒      Aus deiner Sicht:
Was hast du gemacht…

‒      Aus der Sicht des Lehrers:

Gegen welche Regel hast du verstoßen?

Was war deine Absicht?

Was wolltest du erreichen?

Wie hast du dich gefühlt?

Ich fasse zusammen: Du hast… Habe ich dich richtig verstanden?

Schüler reflektiert die eigene Wahrnehmung, Wünsche und Ziele, macht Perspektivwechsel
3. Fragen zur lösungsorientierten Handlungsplanung:

‒      Was willst du erreichen? Setz dir ein überprüfbares Ziel.

‒      Wie willst du dein Ziel erreichen?

‒      Wer kann dir dabei helfen?

‒      Woran können deine Lehrer erkennen, dass du dir ein Ziel gesetzt hast?

‒      Wie willst du mit dem Problem umgehen, wenn es wieder auftritt?

Schüler bemerkt die Diskrepanz zwischen Störung und Ziel, plant problemlösende Handlung
4. Schüler fasst die Ergebnisse des Gesprächs im Rückkehrplan schriftlich zusammen. Bekräftigung, Vertrag

Raum für verantwortliches Denken und Handeln (Trainingsraum)

Schüler sollen einsehen, dass sie über ihr Verhalten selbst entscheiden und deshalb auch selbst verantwortlich sind.

  • Was kann ich tun?
  • Was mache ich mit mir, wenn die anderen nicht so sind, wie ich sie gern haben möchte?
  • Was mache ich mit mir, wenn die Dinge nicht so sind, wie ich sie haben möchte?
  • Was mache ich mit mir, wenn die Umstände nicht so sind, wie ich sie gern haben möchte?

Verantwortliches Denken und Handeln meint

  • Ich habe die Wahl.
  • Ich entscheide.
  • Ich bin verantwortlich.
  • Ich trage die Folgen.

Erziehung zum verantwortlichen Denken Handeln bedeutet

  • Verantwortung deutlich machen – nicht entlasten
  • Respekt erweisen – nicht urteilen
  • Fragen – nicht Ratschläge erteilen
  • Wahlmöglichkeiten bieten – nicht selbst entscheiden
  • Ausreden ignorieren – nicht diskutieren

Trainingsraumgespräch – Zielformulierung – Rückkehrplan

  • positiv — „stattdessen…”
    Was kannst du stattdessen tun?
  • genau — „was…”
    Was wirst du anders machen / tun, wenn das und das eintritt?
  • klar —,,wie…”
    Wie wirst du dich verhalten, bewegen, sprechen…?
  • selbst— „du…”
    Worin liegt also deine eigene Aufgabe?

Ausgehend vom vorherigen Störverhalten sollte der Schüler im Plan die Frage beantworten: Was will ich konkret anders machen, was will ich tun? Nicht: Was will ich nicht mehr tun?

Im Rückkehrplan sollten kleinschrittige, sichtbare, überprüfbare Verhaltensweisen positiv ausgedrückt und festgehalten werden.

Wie erstelle ich einen Plan?

  • Beschränke Dich auf ein einzelnes, eng umgrenztes Gebiet, auf dem Du Dich verbessern willst.
  • Setze Dir ein überprüfbares Ziel.
  • Wie willst du Dein Ziel erreichen?
  • Woran können Deine Lehrer erkennen, dass Du Dir ein Ziel gesetzt hast?
  • Wie willst Du mit dem Problem umgehen, wenn es demnächst wieder auftritt?

Gesprächshaltung im Trainingsraum

  • respektvoll und kooperativ
  • freundlich, wertschätzend
  • entspannt und gelassen
  • aufmerksam und konzentriert

fokussierend und lösungsorientiert Beim dritten Mal im Zeitraum von 6 Monaten: Gespräch mit der Schulleitung, Gespräch mit den Eltern

Beim vierten Mal im Zeitraum von 6 Monaten: Schülerin / Schüler wird umgehend nach Hause geschickt, Ordnungsmaßnahme