Schule ohne Rassismus – Ein Betroffener erzählt

 

 “Nach dem Brand”

Am 26. Januar 2017 war für die 10. Klassen ein besonderer Tag.

Wir hatten Besuch von Ibrahim Arslan, der als siebenjähriger Junge Opfer des zu trauriger Berühmtheit gelangten Brandanschlages in Mölln geworden ist. Damals brannte das Haus seiner Familie völlig aus, zwei rechtsradikale junge Männer hatten den Brand gelegt. Heute ist Herr Arslan  32 Jahre alt.

Er erzählte den Schülerinnen und Schülern von seinen Erlebnissen und denen seiner Familie – nicht alle haben damals den Brand überlebt. Herr Arslan verlor unter anderen Familienangehörigen seine Oma, die, um ihn zu retten, selber in den Flammen umgekommen ist.

Mutige Feuerwehrmänner holten den Jungen aus dem schon einsturzgefährdeten Haus; sie setzten ihr eigenes Leben ein. Heute ist Herr Arslan verheiratet und hat zwei Kinder.

Unsere Schüler hatten sehr viele Fragen an Herrn Arslan, die er mit großer Offenheit beantwortete. Wie geht es heute seinem Vater und wie seiner Mutter? Wie fühlt es sich an, dass seine Oma für ihn gestorben ist? Warum hat Herr Arslan diesen trockenen Husten? Hatte er jemals Rachegedanken gegenüber den Tätern? Hat er sie nach der Tat gesehen? Wie sind die Täter bestraft worden? Was erzählt Herr Arslan heute seinen Kindern? Man kann die vielen Fragen gar nicht alle aufzählen…

Nach über zwei Stunden waren die Schülerinnen und Schüler dankbar für diesen offenen Austausch und viele von ihnen zeigten sich tief bewegt.

Viele werden diesen Schultag lange nicht vergessen und wir alle werden uns hin und wieder mit guten Gedanken an diesen mutigen, offenen Menschen, erinnern, der so viel von sich gezeigt hat.

Übrigens:

Auf die Frage, wie wir denn mit Rassismus im Alltag umgehen sollen, gab uns Herr Arslan den Rat: „Wir müssen alle erst einmal vor unseren eigenen Türen kehren…“

A. Berg, Klassenlehrerin 10b